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„England is a garden”

So beginnt das Gedicht „The Glory of the Garden“ von Rudyard Kipling, das als zweite Nationalhymne Englands bezeichnet wird. Reist man durch England, gewinnt man das Gefühl per Auto durch eine endlose Parklandschaft zu gleiten. Höhepunkte waren dieses Jahr die Besuche in privaten Gärten und denen des National Trust, wovon ich Ihnen hier die Schönsten vorstellen möchte. Es war Ende Juni, Wimbledon, und es regnete wie immer: No problem, denn es war alles herrlich frisch und grün. In England werden jährlich 15 Millionen (!) Gartenbesucher gezählt. An manchen Tagen zwischen Mitte Mai und Juni fallen sie fast wie Heuschrecken, vor allem in die berühmten Gärten, ein. Kleiner Tipp: Lieber „off-season“ reisen, z.B. im September. Dann blüht es vielleicht nicht mehr ganz so üppig, aber man genießt die Gärten sehr privat. Nun wünsche ich Ihnen per Maus eine schöne Gartenreise in das Mekka der Gartenkunst.

Die Gärten sind alle im „Good Gardens Guide 2007“ aufgeführt. Gärten mit ** sind die feinsten der britischen Inseln, manche sogar der Welt. Andere außergewöhnliche Gärten sind mit * bedacht. Die meisten Gärten haben keinen Stern, sind aber sehenswert, wenn man in der Region reist.

Belmont
In der Nähe von Canterbury liegt das Mansion-House aus dem 18. Jahrhundert mit schönem Walled Garden sowie einem sehr großen und ausgefallenen Küchengarten, der von Arabella Lennox-Boyd neu und ausdrucksstark gestaltet wurde. (Tea Room nicht immer in Betrieb)

West Green House Gardens
1993 übernahm die australische Gartenarchitektin und Buchautorin Marylin Abbott das Anwesen (liegt in der Nähe von London am der M 3) vom National Trust. Sie besitzt mit Mittagong den meist besuchten Garten Australiens. Im innovativen Walled Küchengarten findet Abbotts Gespür für Farbe und Design ihren gekonnten Höhepunkt. Jedes Jahr organisiert sie unterhaltsame Events wie Opern in Haus und Garten. (Guter Tea Room)

Bowood House
Das lang gestreckte, herrschaftliche Haus inmitten einer gloriosen Parklandschaft made by ‚Capability Brown’ spiegelt wunderbar vergangene Zeiten wider. Dorischer Tempel am serpentinenförmigen See, Haha und Schafsweiden, uralte Bäume einzeln und in Gruppen formen die idealisierte Landschaft eines großen Meisters. Am Haus runden blumenreiche, von Mary Keen edel gestaltete, Terrassenbeete den „verborgenen Schatz Wiltshires“ ab. (Tea Room am Parkeingang sehr schlicht)

Avebury Manor
In Hinkelsteinfeldern gelegen, wo wandelnde Esoteriker ihre Runden drehen, hat uns der Garten beim zweiten Besuch nach 10 Jahren sehr überrascht. Er ist sensationell und wunderbar. Der National Trust hat so viel getan, dass der Garten wirklich einen Stern verdient! Alle Topiary sind in Topform. Passend zur spirituellen Umgebung wurde ein eindrucksvoller Knotengarten im historischen Stil angelegt. Nette Informationen über die Megalith-Kultur im kleinen Museum. (Guter Tea Room und Picknickbänke im gepflasterten Hof)

The Courts Garden
Neue Headgardener kehren gut! Der klassische Garten (seit 1943 im National Trust) mit seinen Rahmen aus Hecken, Formschnitt und Rasen wurde durch eine dynamische und ungewöhnliche Bepflanzung modern interpretiert. Stipa gigantea entlang eines schmalen Gartenwegs neigt sich im hohen Bogen wie die Springbrunnen der Alhambra. Bravo! Ebenso das Riesengras mit Perückenstrauch in der Rasenmitte. Die Border erfreuen durch brillante Farbkombinationen und prima Pflegezustand. (Tea Room war der beste der Reise, Service-Kräfte mit Strohhütchen und Fliege, köstliches Lunch, tolle Kuchen)

Great Chalfield
Dieser Garten ohne Stern ist ein Star! Sehr romantisches Haus aus dem 15. Jahrhundert mit kleinem Kirchlein - anmutend wie ein Hochzeitsgarten. Die Border waren Ende Juni auf dem Höhepunkt, gelbe Nachtkerzen standen wie Fackeln im Sturm. (Tea Room eher bescheiden)

Hidcote Manor Garden
Anfang der 80er Jahre besuchte ich Hidcote und seitdem war er für mich der Nr. 1 Garten Englands, noch vor Sissinghurst. Vor 10 Jahren war Hidcote für meinen Mann und mich eine große Inspiration für unseren eigenen Garten. 2007 zum 100. Geburtstag war es anders: Zu viele Busse mit zu vielen „Touristen“. Vieles war ziemlich zugewuchert und engte die Blicke ein. Da müssen scharfe Klingen und Sägen her! Wunderschön die neue blau-gelbe Bepflanzung von Mrs. Johnstons Garden und das neue Doppelborder im oberen Teil, der früher fast nur Pfingstrosen hatte. (Restaurant im Haupthaus und ein Casino im Seniorenstift, Tea gibt es ganz nett am Eingang beim Pflanzenverkauf im kleinen Innenhof)

Kiftsgate Court
Berühmt ist der Garten für die Ramblerrose Rosa filipes ’Kiftsgate’, die mit ihren weißen Blütenwolken die alten Bäume bis in den Himmel erobert hat. Alte Rosen blühen duftend bis in den Juli, wie die Doppelreihe gestreifter Hundsrosen. Die Border sind gekonnt wie von Gertrude Jekyll komponiert. Am Ende des Gartens überrascht ein blütenfreier Raum aus Taxushecken mit einem schlicht-modernen Wasserbecken. Auf der rechteckigen Insel fließt in Intervallen ein Strahl aus goldenen Blättern. (Tea Room angemessen)

Sudeley Castle
Im Herzen der Cotswolds gab es seit 1000 Jahren an dieser Stelle ein Haus, wovon heute noch mächtige Ruinen stehen. Der Queen’s Garden beherbergt eine große Sammlung alter Rosen und ist von einer doppelten Taxushecke geschützt. Im Secret Garden hinter der kleinen St. Mary’s Kirche verläuft parallel zur Mauer ein üppiges Border mit stattlichen Eremurus. Im Innenhof des Haupthauses wurde in jüngster Zeit ein großer Knotengarten nach historischen Vorbildern angelegt. Mich stört in der beeindruckenden Anlage neben der modern wirkenden Zwiebel-Skulptur der orientalische Papyrus in seinem Wasserbecken: out of place. Insgesamt ist Sudeley Castle ein sehr romantischer Ort. Wenn man ihn ohne viel Rummel genießen möchte, kommt man am besten ganz früh (10:30) oder kurz vor Schließung (17:00). (Tea Room angemessen und Picknickbänke draußen)

Abbey House Gardens
Seit 1996 gestalten Barbara und Ian Pollard mit Passion und Enthusiasmus den Garten vor der eindrucksvollen Kulisse einer Klosterruine. Bekannt sind die beiden Unermüdlichen als „naked gardeners“, weil sie medienwirksam während der Woche leicht beschürzt und am Wochenende textilfrei ackern, schneiden und pflanzen. Der große Knotengarten in Form eines keltischen Kreuzes, der enorme, von Laubengängen umschlossene Kräutergarten und ein groß dimensionierter Goldregentunnel zeugen von der enormen Schaffenskraft seiner gartenverrückten Schöpfer. Ein sensationeller Garten! (Tea Room drinnen wie draußen gut)

Cerney House Gardens
Der Garten liegt in einem sehr warmen Tal, so dass im Walled Garden reichlich Obst und Gemüse gedeihen. Man steigt hinauf zum Gazebo („schöner Blick“) und kann dort mit etwas Glück einen stolzen Pfau treffen, der lauthals die Ankunft verkündet. Lavendel, Rosen und bunte Border führen zum Gärtnerhaus, wo man sich den Tee selbst zubereitet und Honig, Marmeladen und Topflappen kaufen kann. Das Geld legt man in eine Kassette. Ein schöner, sehr privater Garten.

                                 Ein Englischer Garten in Köln